Psychologische Studierendenberatung Österreich

III. Wie entsteht Sucht?


Je intensiver sich die Forschung der Frage von Sucht und Abhängigkeit widmet, desto weniger ist eine alleinige Ursache in Sicht.
Es scheinen immer mehrere Faktoren zu sein, die bei der Entstehung einer Sucht zusammenwirken, wobei es meist um eine Wechselwirkung der Persönlichkeit des Betroffenen, seinem sozialen Umfeld sowie der Beschaffenheit und Verfügbarkeit der Droge zu gehen scheint.

 

Persönlichkeit und Lebenssituation

Die beste Vorbeugung gegen eine Sucht (wie gegen jede Form psychischer Störung) ist sicherlich eine gesunde, stabile Persönlichkeit.
Besonders Erfahrungen in den ersten Lebensjahren können das Selbstwertgefühl aber so brüchig und das Bild von sich selbst und den anderen so unsicher und zersplittert werden lassen, dass der Jugendliche oder Erwachsene dann das Leben nur durch die Zufuhr von „Gift“ ertragen kann. Der in der Drogenszene gebräuchliche Ausdruck „Gift“ für die ersehnte Substanz bringt gut zum Ausdruck, wie wenig die Betroffenen lebenswichtige Zuwendung erfahren konnten, ohne sie zugleich auch als gefährlich und schädigend zu erleben.
Jede Krise in der aktuellen Lebenssituation bringt dann eine besondere Anfälligkeit für Suchtverhalten mit sich.

 

Das soziale Umfeld

Im sozialen Umfeld der Herkunftsfamilie erlebt jeder zuerst den Umgang mit Rausch- und Genussmitteln, hier vor allem mit den legalen Substanzen Alkohol und Nikotin, mit Medikamenten, und den Stellenwert von Arbeit, Essen, Einkaufen, Fernsehen etc.
Ab der Pubertät wird die peer group, die Gruppe der Gleichaltrigen zum entscheidenden sozialen Maßstab. Erfahrungen in diesen sozialen Gruppen können den Einstieg zu einer Suchtkarriere bahnen bzw. vorhandene Tendenzen verstärken oder eben auch abschwächen.

 

Die Droge

Die verschiedenen Rauschmittel und die Art ihrer Anwendung haben natürlich unterschiedliche psychische und körperliche Wirkungen und können daher mehr oder weniger rasch abhängig machen. Sachlich richtige Information schützt hier vor allem Jugendliche und junge Erwachsene viel eher vor der Idealisierung von Drogen bzw. der Verleugnung der Gefahren als Mystifizierung und Verteufelung illegaler Substanzen.
Darüber hinaus haben natürlich die Erreichbarkeit und soziale Akzeptiertheit einer Substanz Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob sie als Suchtmittel konsumiert wird. Viel mehr Menschen sind von legalen als von illegalen Mitteln abhängig.