Psychologische Studierendenberatung Österreich

VI. Arten von Essstörungen

 

 

1. Bulimie

Bulimie ist wahrscheinlich die häufigste Essstörung, die Dunkelziffer ist recht hoch.
Ca. 10% der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 30 Jahren sind betroffen.
Weniger als 10% der Betroffenen sind Männer.

Wie kann man eine Bulimie erkennen?

Vom äußeren Erscheinungsbild sind die Menschen mit Bulimie unauffällig, d.h. normal bis leicht über- bzw. untergewichtig. Auch ihr Essverhalten in der Öffentlichkeit ist unauffällig, ihre Essanfälle erleiden sie im Geheimen.
An dieser Checkliste können Sie das Problem erkennen:

Check!

 

  • Beschäftige ich mich ständig mit Figur und Gewicht?
  • Habe ich regelmäßige Essanfälle, mindestens 2x/Woche in den letzten 3 Monaten?
  • Verliere ich während der Essanfälle jegliche Kontrolle darüber, was und wie viel ich esse?
  • Wende ich „Gegenmaßnahmen“ an, um eine Gewichtszunahme zu verhindern, z.B
  • selbstinduziertes Erbrechen
  • Missbrauch von Abführmittel und Entwässerungsmedikamenten,
  • übermäßige körperliche Betätigung

 

Gefühlssituation der Betroffenen

Die Anfälle und den dazugehörige Kontrollverlust erleben die Betroffenen als schlimmes Versagen, das sie mit Scham und Ekel erfüllt. Das Erbrechen bringt kurzfristig Erleichterung, dann kommt es aber auch deshalb zu Gefühlen von Scham, Schuld und Ekel. Soziale Isolation, sowie Ängste und depressive Zustände kommen als Folgen der Erkrankung oft noch hinzu.

 

Körperliche Folgen der Bulimie

Die Auswirkungen von Bulimie können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen:

  • Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden durch den Verlust von Elektrolyten.
  • Diverse Mangelerscheinungen durch die unausgewogene Ernährung
  • Vermehrte Magensäurebildung und ihre Folgen
  • Zahnschäden durch die ständigen Säureangriffe
  • Entzündungen in der Speiseröhre
  • Magen- und Speiseröhrenrisse als Folge des heftigen Erbrechen

 

Die Ursachen der Bulimie

Bulimie ist, wie alle Essstörungen als Hinweis auf Mangel und Leiden zu verstehen, das über diese Störung ausgedrückt wird:

  • niedriges Selbstwertgefühl, entstanden aus der persönlichen Lebensgeschichte
  • unerfüllbar hohe Ansprüche an sich selbst
  • mangelnde Möglichkeit zu eigenständiger Persönlichkeit
  • das Nicht-Wahrnehmen von Gefühlen, vor allem von negativen
  • soziale Defizite aufgrund einer schwierigen Vorgeschichte
  • Ängste
  • depressive Tendenzen.

 

Wege aus der Bulimie

Um die Bulimie zu überwinden ist eine Veränderung des Essverhaltens und der Einstellung zu Essen, Gewicht und Figur notwendig. Das geht nur Hand in Hand mit der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit:
 

  • Stärkung des Selbstwertgefühls
  • Zunahme der Eigenständigkeit
  • Umgang mit negativen Gefühlen etc.

Für einen Weg aus der Bulimie sind eine Unterstützung durch Psychotherapie und eine ärztliche Begleitung sehr zu empfehlen, wenden Sie sich bitte an Fachleute.Wenn Sie über sich oder nahe stehende Betroffene sprechen wollen, kontaktieren Sie uns in der Psychologischen Studierendenberatung

 

 

2. Magersucht


Von Magersucht spricht man wenn jemand absichtlich stark untergewichtig ist und daher bereits 15% unter dem Normalgewicht liegt.

 

Wie kann man Magersucht erkennen?

  • Streng kontrollierte und eingeschränkte Nahrungsaufnahme bzw. Verweigerung
  • Exzessiver Sport, absichtliches Erbrechen und Missbrauch verschiedener Medikamente (Appetitzügler, Abführmittel, harntreibende Mittel)
  • Gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers, das Gefühl zu dick zu sein, obwohl das Gegenteil wahr ist
  • Hunger wird nicht mehr erlebt, er ist unterdrückt oder ausgeblendet
  • Große Angst, Gewicht zuzunehmen, dieses Gefühl ist unerträglich
  • Gedanken kreisen ständig um Essen, Gewicht und Kalorien

 

Die Ursachen der Magersucht:

Zu 90% sind es Mädchen und junge Frauen, die an Magersucht erkranken.
Sie sind typischerweise intelligent, leistungsorientiert und angepasst, es sind wahre „Herzeigekinder“, die Umgebung kann äußerlich überhaupt keinen Grund für die Erkrankung einsehen.

 

Innerlich sieht es jedoch anders aus: 

  • Es fehlte die Möglichkeit, eine eigene Identität und Selbständigkeit zu entwickeln.
  • Der Körper wird zum einzigen Feld, über das man selbst bestimmen kann.
  • Hier entwickeln sich Gefühle von Macht und Stärke; der Familie gegenüber, aber auch sich selbst gegenüber.
  • Das geringe Selbstwertgefühl wird durch das Überwinden des Hungers gestärkt.
  • Die ständige Beschäftigung mit Esskontrolle verhindert, dass Gefühle wie Unsicherheit, Überforderung, Wut aufkommen können.

 

Wege aus der Magersucht

Das extreme Untergewicht verursacht schwerwiegende medizinische Probleme wie Stoffwechselstörungen, hormonelle Veränderungen, depressive Verstimmungen, Mangelkrankheiten, etc.

Menschen, die an Magersucht leiden, brauchen in den allermeisten Fällen ärztliche und psychotherapeutische Unterstützung, wenn sie ihre Sucht durchbrechen wollen.

Ziele der Behandlung sind u.a.:

  • seelische Entwicklung ermöglichen
  • Essverhalten und Gewicht normalisieren
  • Körperliche Komplikationen medizinisch behandeln
  • Selbständigkeit und Selbstbewusstsein entwickeln

 

 

3. Esssucht


Esssüchtige Personen essen regelmäßig zu viel. Sie essen ohne Hunger und benutzen das Essen als Ersatz für vernachlässigte Gefühle und Bedürfnisse.
Essen ist der Versuch, diese Gefühle zu bewältigen bzw. die Bedürfnisse zu befriedigen.

Oft wird versucht, durch Diäten zu einer Gewichtsabnahme zu gelangen, doch gelingt das nur vorübergehend und führt zu neuen Essanfällen. Ein Teufelskreislauf beginnt.

Esssüchtige Personen haben das Gefühl für Hunger und Sättigung verloren, sie wissen nicht, wann sie wirklich Hunger haben, können auch nicht unterscheiden zwischen Hunger und Appetit.

Für die Ursachen und die Wege aus der Esssucht gilt das gleich wie schon allgemein unter dem Punkt Essstörungen angeführt.

 

 

4. Binge Eating Disorder


Hier eine Checkliste zum Erkennen der Störung:

Check!

 

  • Habe ich Essattacken? 
  • Esse ich große Mengen von Nahrungsmitteln schnell, wahllos, alleine und ohne Hungergefühl?
  • Kann ich mein Verhalten während eines solchen Anfalls nicht kontrollieren?
  • Kommt es anschließend zu Ekel, Scham und Schuldgefühlen?
  • Mache ich häufig Diäten, um mein Gewicht zu reduzieren, die von weiteren Essattacken abgelöst werden (Jojo-Effekt)?

Körperliche Folgeerscheinungen

Betroffene müssen nicht unbedingt übergewichtig sein, wenn Sie an einer binge eating disorder leiden, sind es aber oft.
Aufgrund des Übergewichts entstehen medizinische Probleme Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen und Probleme mit dem Skelett.
Zudem kommt es zu sozialem Rückzug und depressiven Zuständen.

Ursachen der Binge Eating Störung

  • Essen ist ein Weg, um mit Gefühlen umzugehen die von uns selbst bzw. auch von der Umwelt ignoriert werden.
  • Essen ist Ersatz für Anerkennung, Trost, etc. Es dient der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse, die sonst kaum wahrgenommen werden (dürfen).
  • Die Gefühle und Bedürfnisse werden mit dem Essen „hinuntergeschluckt“.
  • Das Übergewicht wirkt wie ein Panzer und schützt vor Verletzungen, erschwert aber auch Nähe.

Wege aus der Binge Eating Störung

Auch hier muss zuerst die zugrunde liegende Essstörung behandelt werden, bevor das Essverhalten verändert werden kann: 

  • erkennen der Rolle, die die Störung im Leben der/des Betroffenen hat
  • lernen, mit den eigenen Gefühlen anders umzugehen
  • auseinandersetzen mit Selbstwertgefühl, Eigenständigkeit und Identitätsfindung