Psychologische Studierendenberatung Österreich

III. Depressionsformen und mögliche Ursachen


Üblicherweise werden depressive Störungen unterschieden:

 

  1. nach dem Schweregrad, eingeteilt in leicht, mittel oder schwer. Beobachtet wird, inwieweit der/die Betroffene noch in der Lage ist, den vorher gewohnten Alltag in Beruf oder Ausbildung und im sozialen Umfeld aufrecht zu erhalten.
    Dazu gehört auch, ob jemand noch zumindest zeitweise Abstand zu seinen negativen Gedanken und Gefühlen hat und für Familienangehörige, Partner und Freunde zugänglich ist, oder ob, in ganz schweren Fällen, Selbstmordgefahr besteht.

     2.  nach den Entstehungsursachen, die vielfältig sind. Im Folgenden finden Sie nähere
          Beschreibungen dieser Formen, unterschieden nach vermuteten Auslösern:

  • reaktive Anpassungsstörung
  • neurotische Depression
  • endogene Depression
  • manisch depressive Störung
  • depressive Symptome im Zuge körperlicher Erkrankungen
  • Depressionen als Nebenwirkung von Medikamenten bzw. als Folge von  
    Abhängigkeitserkrankungen
  • Winterdepression

 

 

Reaktive Anpassungsstörung

Die Person reagiert auf ein äußeres, zumindest für sie selbst nachvollziehbares, unmittelbar auslösendes, einschneidendes Ereignis in ihrem Leben ( z.B. Trennung, Tod,...).

Wenn die/der Betroffene die Veränderungen bewältigt hat, klingen die Symptome relativ rasch wieder ab und können eine einmalige Episode bleiben. Dauert die depressive Phase länger an oder tritt wiederholt auf, müssen weitere Ursachen angenommen werden.

 

Neurotische Depression

Die Bezeichnung „neurotisch“ weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Ursachen auf psychische Konflikte in der Lebensgeschichte der Betroffenen zurückzuführen sind. Bereits in der Vergangenheit entstand die Neigung in der Persönlichkeit, auf Belastungssituationen der Gegenwart mit depressiven Symptomen zu reagieren.

Gerade im universitären Umfeld werden bestehende neurotische Tendenzen gar nicht so selten aktualisiert. Belastend wirken:
 

  • schwierige und teilweise unklare Leistungsanforderungen
  • wenig haltgebende soziale Strukturen eines Universitätsstudiums
  • häufig offene Zukunftsperspektiven von Studierenden.

 

Es ist meist das Zusammenwirken äußerer Ereignisse und innerer Faktoren, die zur Entstehung beitragen, wie die folgenden Beispiele:

  1. Belastungen aus der Kindheit können, ohne dass sie einem bewusst zugänglich sind, die Grundlage sein. Lange zurückliegende psychische Defizite, Verletzungen und Konflikte können sich an einem aktuellen Anlass, der nach außen nicht so dramatisch erscheint, aktualisieren: 
  • Als Kind erlebt jemand immer wieder, dass sie/er sich mit ihren/seinen Wünschen oder Abgrenzungsversuchen nicht durchsetzen kann. Als Lebensmotto entsteht Resignation: „Es ist sowieso sinnlos“. Nach missglückter Prüfung (die vielleicht gar nicht wichtig war) kommt die neurotische Depression plötzlich zum Ausbruch
  • Eine sog. „gelernte Hilflosigkeit“ kann ebenfalls einer neurotischen Depression zugrunde liegen, erworben dadurch, dass die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes häufig abgeschnitten wurden oder das Beispiel eines hilflosen Elternteils zu gut „erlernt“ ist. Der Lebenspartner verlässt den/die Betroffene/n und er/sie wird von einer Depressionen eingeholt.

     2.  Auch nicht verarbeitete Konflikte im Zuge von Scheidungen, Gewalt, Missbrauch
          und Schuldgefühle können den Nährboden für eine Depression abgeben.

     3.  Häufig neigen auch besonders gewissenhafte Menschen mit sehr hohen
          Selbstanforderungen
 zu depressiven Störungen nach dem Motto „Nobody is
          perfect, but I have to be“. Ein grandioses Selbstbild, das als Folge von verinner-
          lichten Erwartungen oder als Kompensation von Kränkungen errichtet wurde,
          muss fast zwangsläufig immer wieder an der Realität scheitern.

 

So betrachtet deckt eine neurotische Depression auch immer ein schon lange schwelendes Thema des Betroffenen auf - damit ist aber auch immer eine Chance zur Veränderung geboten!

 

Zum Aufarbeiten solcher Verhaltensweisen und ihrer psychologischen Hintergründe und um spätere Rückfälle in depressive Episoden zu vermeiden, ist Psychotherapie oder psychologische Beratung häufig zweckmäßig. 

 

 

Endogene Depression

Bei Menschen, die in ihrem Lebensverlauf ohne unmittelbare Auslöser mehrere depressive Episoden erleiden, wird häufig eine „endogene Depression“ angenommen.

Dabei wird von einer ererbten Disposition ausgegangen, das Risiko einer Erkrankung ohne gravierende äußere auslösende Faktoren liegt viel höher.

Nach aktueller Forschungslage sind die neurotische und endogene Depression nicht genau gegeneinander abgrenzbar. Häufig ist auch bei endogenen Depressionen von körperlichen und psychischen Faktoren auszugehen.

Eine Kombination von medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung ist dabei zielführend.

 

 

Manisch-depressive Störungen, d .h., depressive Episoden im Zuge bipolarer Störungen

Wenn depressive Phasen mit Phasen besonders auffallender Hochstimmung abwechseln, wird die Bezeichnung manisch-depressive Störung verwendet.

Bipolare Störungen treten auch mit 90%iger Wahrscheinlichkeit wiederholt auf.
Dabei geht es nicht um Stimmungsschwankungen in der Bandbreite des landläufigen „von himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt“, die besonders in der Pubertät und Adoleszenz typisch sind.
Die Hochstimmungsphasen der Betroffenen müssen:

  • über einen längeren abgegrenzten Zeitraum auftreten (Minimum eine Woche)
  • die „Aufgedrehtheit“ ist gleichsam die Kehrseite der Depression

 

Kennzeichen der manischen Phase: 

  • gesteigerte Aktivität im Arbeitsalltag
  • in der Sexualität
  • deutlich verringertes Schlafbedürfnis
  • sprunghaftes Denken
  • Zerstreutheit
  • waghalsige Unternehmungen
  • häufiges Schuldenmachen
  • verstärkte Redseligkeit und Kontaktfreudigkeit
  • übertriebenes Selbstdarstellungsbedürfnis von unrealistischer Grandiosität
  • fehlende Krankheitseinsicht.

 

Dabei ist die soziale Umgebung mit betroffen, in extremen Fällen kann ein Erkrankter seine Familie mit finanziellen Projekten ruinieren oder es kommt zu massiven Schwierigkeiten in Partnerschaft und im Arbeitsalltag.Wer in euphorischer Hochstimmung schwelgt, erlebt sich dabei auch nicht als behandlungsbedürftig. Dennoch bietet sich vor allem eine medikamentöse Behandlung an, kombiniert mit einer Aufarbeitung von psychischen und aktuellen Ursachen und Folgen. Zur Schadensbegrenzung und zum Schutz des Patienten ist bei schweren Fällen eine Klinikeinweisung erforderlich.

 

 

Depressive Symptome im Zuge körperlicher Erkrankungen

Außer psychischen Auslösern kann eine depressive Symptomatik auch die Folge von körperlichen Erkrankungen sein. Als häufigste Ursachen kommen in Frage:

Hirndurchblutungsstörungen, Infektionskrankheiten, Störungen des Hormonhaushalts, Herzinsuffizienz, Fehl- oder Mangelernährung,...

Im Sinne ärztlicher Sorgfalt ist eine medizinische Abklärung
von Depressionsursachen unumgänglich und der Weg zum Hausarzt der erste Schritt in der Behandlung.

 

 

Depression als Nebenwirkung von Medikamenten/ als Folge von Abhängigkeitserkrankungen

Da die Balance von Botenstoffen im Gehirn unmittelbar mit Antrieb und Stimmung verknüpft ist, haben eine Reihe von Medikamenten und Hormonen Auswirkungen, die bis zur Ausbildung von depressiven Symptomen reichen können.

Vom Erscheinungsbild sind sie nicht von psychisch bedingten Symptomen unterscheidbar. Medikamente für Herz- und Kreislauferkrankungen, blutdrucksenkende Mittel, die „Pille“, auch einige Antibiotika können Depressionen als drastische Nebenwirkung haben.

Auf ähnliche Weise können auch suchterzeugende Substanzen wirken, z.B. Alkohol, Schlafmittel, Beruhigungsmittel etc. Depressionen können sowohl bei einer bestehenden Abhängigkeit oder im Zuge einer Absetzung/Entwöhnung auftreten.

 

 

Winterdepression

Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Depressionen und jahreszeitlich bedingtem Lichtmangel in den Herbst- und Wintermonaten wissenschaftlich bestätigt.


Betroffene bemerken:

  • depressive Verstimmung
  • große Müdigkeit
  • außerordentlich hohes Schlafbedürfnis (der Vergleich mit Tieren im Winterschlaf drängt sich auf)
  • verstärkten Appetit auf Kohlehydrate wie Süßigkeiten, Brot und Nudeln.

Hilfe bei Winterdepression kann sowohl gezielte Bewegung und Ernährung, wie Lichttherapie und psychotherapeutische Unterstützung bieten.